Die Fragmente

Malmsturm – Die Fragmente: Die Splitter der Glasprinzessin

Stimmen aus dem Imperium

…klar, als ich noch reich war, bin ich auch einige Male auf dem blauen Drachen geritten. Aber ich hab auch gesehen, welche Art von Verlangen der Drache in denen weckt, die ihn zu oft gesattelt haben: glaub mir, selbst die Künstler in Lyssa haben sich nie auf solche Dinge eingelassen…

Uchandres der Verarmte, Bettler in Realgar

 

 

Im Verlauf der letzten Jahre ist eine neue exotische Handelsware auf den weit entfernten Märkten der Städte des Drachens und der Fünf Städte des Nordens erschienen. Dabei handelt es sich um türkisfarbene halbdurchsichtige Kristallsplitter, die in Form und Größe an dicke Tannen- oder Kiefernnadeln erinnern. Meist werden sie Umai genannt – ein Wort, das aus Vigiristan stammt und der Name einer sagenhaften Prinzessin sein soll, die von dem großen Drachen Ayata abstammte und die aus Trauer und Verzweiflung zu Glas wurde und in zigtausend Splitter zerbarst als ihr Geliebter starb. Sowohl die Bezeichnung als auch die relative Häufigkeit der Umai – die im imperialen Kernland und in der westlichen Hälfte des Nebelmeeres kaum bekannt, geschweige denn erhältlich sind – spricht für ihren Ursprung irgendwo in der vigirischen Steppe, aber selbst die Händler auf den Fleischmärkten des Valgrind wissen nicht wirklich, woher diese blauen Nadeln denn nun stammen. Im Imperium werden die Umai allerdings auch ganz anders genutzt als im Norden: In den Städten des Drachens werden die Nadeln in speziellen kleinen Gefäßen erst geschmolzen und dann über weißglühende Kohlen gegossen, wobei man die entstehenden Dämpfe inhaliert. Der folgende Rausch bringt nicht nur lang anhaltende, meist stark sexualisierte Visionen, sondern soll auch für die folgenden Wochen entsprechende, wenn auch stetig schwächer werdende Träume garantieren. Im Norden hingegen werden die Nadel an Tiere verfüttert, um ein besonderes Schauspiel zu gewährleisten: zwei oder mehr kleine oder friedliche Tiere – Hühner, Katzen, kleine Hunde, Ratten, Mäuse, Ziegen, Marder, Eichhörnchen – werden so gefüttert und einige Tage gemeinsam gehalten. Dann lässt man eines der Tiere in einer Art Arena scheinbar hilflos gegen ein viel größeres Tier oder sogar einen Menschen antreten – um dann die übrigen mit Umai gefütterten Tiere dazu zu lassen. Sobald sie einander wahrnehmen verfallen die scheinbar harmlosen Tiere angesichts der gemeinsamen Bedrohung dann in einen berserkerartigen Blutrausch, der einen unterhaltsamen Kampf und hohe Wetteinsätze garantiert! Sowohl im Norden als auch im Imperium transportieren jedoch alle Händler die Umai Kristalle in speziell gefertigten Holzschachteln, die über einen Resonanzboden verfügen,  der direkt auf eine ständig laufende Spieluhr geschraubt wird. Ohne diese regelmäßige Beschallung beginnen die Kristallnadeln oft zu wachsen und zusammen zu kleben, was sie praktisch unverkäuflich macht.

 

Stimmen des Nordens

…klar will die dann keiner kaufen! Wer große Umai-Steine berührt, der wird vergiftet – ich hab mehr als einen gesehen, der einfach mit stierem Blick, lächelnd und singend in die große östliche Steppe gewandert ist!

Zoldran Brar, Wächter im Dienst von Olaxer Hybal, einem Umai-Händler im Valgrind

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