Die Fragmente

Malmsturm – Die Fragmente: Illrioch und der Palast aus Regenbogen und Kristall

Schriften des Nordens
…so soll am Beginn dieses erbarmungslosen Weges, an dessen Ende die Choár zu dem wahrhaft eiskalten Volk von Kriegern wurden, deren Leben nur Ehre und Reinheit, nur Befehl und Gesetz kennt, ein blutiger Streit gelegen haben, aus dem die asketische Schule der sogenannten „Axtmeister der makellosen Klinge“ als Sieger hervor ging. Heute kennen wir nicht einmal mehr die Namen der unterlegenen Partei oder ihrer führenden Vertreter, doch scheint es sich bei diesen um eine Gruppe von Freigeistern gehandelt zu haben, zu der vor allem einige mächtige Seyder, Heiler und Kräuterkundige gehörten. Sie wollten ihrem Volk durch die Erforschung mächtiger Empfindungen, durch Visionen und magische Drogen neue Wege erschließen, um in der feindlichen Welt des äußersten Nordens zu überleben, doch nach ihrer Niederlage wurden sie wohl alle zur Widerrufung ihrer „Irrlehren“ gezwungen oder abgeschlachtet. Einigen Legenden nach soll nur wenigen die Flucht in den Süden gelungen sein, wo sie endlich Unterschlupf in den Dörfern der Ladchoum fanden, mit denen sie ihr Wissen über gewisse geheime Drogen teilten. Die Ladchoum hingegen erzählen ihrerseits von einem überaus mächtigen „Meister der Visionen“, der zwar als Sohn eines grausamen Kriegerstammes geboren und von diesem verstoßen wurde, nun aber seit Jahrhunderten mit wenigen Getreuen und Schülern in einem „Palast aus gefrorenen Träumen“ leben soll, in dem Zeit ohne Bedeutung ist.

Irmgôr Weyd
Geschichte der großen Stämme und Völker (unvollendet)

Hoch im Norden, auf einem einsamen Gipfel zwischen frostigen Ebenen und eisigen Klüften, soll sich, so Legenden der Choar, ein Palast aus Silber und regenbogenfarbigem Kristallglas erheben. Man sagt, es handele sich um eine Ansammlung filigraner, nadelartiger Türme die von einem an Pflanzenranken erinnernden Gerüst aus Silberstreben gehalten werden. Der Palast ist von unvergleichlicher Schönheit. Man könnte denken, er sei vor Urzeiten von einer hoch entwickelten Kultur errichtet worden, die Schönheit und Kunst ebenso sehr schätzte wie Baukunst un Wissenschaft. Die Choar aber glauben, der Palast sei das Heim von „Ilrioch dem Herren der Träume“. Auch, wenn dieser Name Außenstehende nicht bedrohlich klingt, so steht er für die Choar doch für finsterstes Übel, denn Ilrioch ist der stets lachende Meister der Illusion, der falschen Wahrheiten und des ewigen Rausches – schlicht von allem, was sie verabscheuen. Einst war er, so die Legenden, einer der Choar, doch er verschrieb sich dunklen Künsten, Rausch und Lust. Er wurde einer der verderbten Seyder und entwickelte seine Kräfte im Laufe der Zeit schließlich weiter als jeder andere dieser Zunft. Sein Charakter wurde darüber jedoch immer widerlicher.
Ilrioch erscheint als berückend schöner, athletisch geformter Mann mit langem Haar und thront, in bunte Seide gekleidet, auf einem Sitz aus vielfarbigem Licht hoch über seinen Anhängern, die mit ihm den Palast aus Regenbögen und Kristall bewohnen. Schlimmer besudelt als Schweine geben sie sich in den kristallenen Hallen des Palastes jeder Form von Rausch und Ausschweifung hin. Ihr Geist hat sich ob der vielgestaltigen Lügen ihres Herren und all der berauschenden Substanzen, die sie konsumieren, schon längst verflüchtigt. Sie sind nur mehr verquollene, tierhafte Gestalten, die nur noch auf der Suche nach dem nächsten Rausch sind und Wahrheit nicht mehr von Lüge unterscheiden können. Dem Herren der Träume bereitet dies ein immenses Wohlgefallen, ist er doch der Oberste aller Seyder und liebt nichts mehr als Leute durch die Kunst der Verführung in ihr Verderben zu stürzen. Ilrioch predigt, so sagen die Choar, dass es keine Gesetze und keine Wahrheiten gäbe. Mit spitzer Zunge und seiner ihm eigenen, chaotischen Form von dunkler Weisheit dekonstruiert und relativiert er alles, bis diejenigen, die ihm Gehör schenken, nichts mehr für wahr halten – selbst die Schöpfung und ihr Menschsein nicht. Nur Rausch und eigener Genuss gelten ihm dann noch etwas.
Ob der mythologische Ilrioch wirklich in einem Regenbogenpalast im eisigen Norden wohnt, wird von anderen als den Choar gemeinhin bezeifelt, aber die Legenden um einen regenbogenfarbigen Kristallpalast sind nicht totzukriegen. Sehr zum Entsetzen der meisten Choar machen sich immer wieder Abenteurer auf, um den Palast zu suchen, denn sicherlich verbergen sich dort ungeheure Schätze. Die Galder der Choar aber wissen, dass alle Schätze, die man dort finden könnte, falsch wären.

Aspekte

Nicht der Schatz, den Du suchst
Schillernder Schein
Nur auf den Standpunkt kommt es an.
Wahn in Samt und Seide

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