Die Fragmente

Malmsturm – Die Fragmente: Die Schwarze Wolke

Stimmen aus dem Norden

„…nicht genug, dass wir mitten im Valgrind plötzlich unter dieser merkwürdigen Gewitterwolke festsaßen und der Tag zur Nacht wurde: da stand vor mir auf einmal ein nackter, von Narben übersäter Pandharer, packte mich und stammelte irgendeinen Unsinn! Als ich endlich begriff, dass er keine Zunge hatte, da sah ich auch erst den eisernen Kragen um seinen Hals – und in dem Moment riss etwas an der langen Kette an diesem Kragen und ließ ihn genauso schnell im Dunkel verschwinden, wie er zuvor aufgetaucht war. Aber seine gurgelnden Schreie hörten wir noch lange…“

Juluf Axtarm, thraskitischer Kopfjäger während einer dreitägigen Sauftour in Faensal

 

Im Abstand einiger Jahre oder sogar Jahrzehnte erscheint – meist nach einem schweren Sturm – eine gewaltige pechschwarze Wolke über den weiten Steppen von Vigiristan. Von dort aus schwebt die Wolke dann manchmal gen Nordwesten über das Bergland von Valgrind und weiter über die Nedderfaellen, aber öfter noch gen Südosten bis an den Rand des Drachen, um von dort aus hinter dem Horizont des südlichen Ozeans wieder zu verschwinden. Woher genau diese Wolke kommt, ist unbekannt, auch wenn es nicht an Legenden und Gerüchten dazu mangelt, denn zumindest die Wirkung der Schwarzen Wolke ist ebenso bekannt wie berüchtigt: Entlang des Weges der Wolke kommt es jedesmal zum rätselhaften Verschwinden von Personen, Tieren und sogar ganzen Karawanen und Nomadenlagern! Außerdem gibt es unzählige seltsame Geschichten über bizarre Ereignisse in den Landstrichen im Schatten der Wolke: leere Wasserstellen voller gekochter Fische und Frösche, brennende Büsche ohne einen verkohlten Halm in der Nähe, lange „Straßen“ aus dunkler Asche und dichte Nebelbänke, in denen sich die Silhouetten fremdartiger Bestien erahnen lassen. Manche glauben, dass die Wolke eine für Vigiristan typische Manifestation eines Malmsturms darstellt, was auch gern mit Berichten über auffällige magische Fehlschläge oder Nebenwirkungen unter der Wolke begründet wird, aber weiter gereiste Gelehrte und Magier behaupten, auch in einigen anderen fernen Regionen der Welt von eben solch einer Erscheinung einer einzelnen schwarzen Wolke gehört zu haben.

 

 

Stimmen aus dem Imperium

der Aberglaube der Männer ist wohl nicht unbegründet, aber die Geschichten, die mir der alte Dorfvorsteher beim Palmwein erzählt hat, sind noch weit seltsamer: er sprach von einer gewaltigen Stadt aus glühendem Eisen, die inmitten der Wolke – welche nur der Ruß und Rauch aus den riesigen Öfen der Stadt sei – über die ganze Welt segele, um überall die verderbten und verotteten Seelen ihrer gerechten Strafe zuzuführen…

Auszug aus dem verbotenen: Meine Reisen jenseits des Exils, Kapitän Almaget Truyal von Alecto

 

 

Unter den Seeleuten von Alecto und Manto erzählen einige von besonders gewagten Reisen nach Dhelyrien: in die Gewässer westlich der von Korsaren verseuchten Kumariden, zu den Vulkaninseln der Ladoniden. Sie behaupten, die größte Gefahr dort drohe nicht von Piratenschiffen oder Seeungeheuern, sondern von etwas, das die Eingeborenen die Pulotuloka – die „Hölle im Himmel“ – nennen. Dabei handele es sich um eine große pechschwarze Wolke, die manchmal nach einem schweren Sturm am sonst blauen Himmel auftaucht und langsam – mal mit, mal gegen den Wind – über das Meer wandert, nur um irgendwann wieder hinter dem nördlichen Horizont zu verschwinden. Im Schatten der Pulotuloka sollen Deckwachen ebenso wie ganze Schiffsbesatzungen, Schiffe oder gar Dörfer einfach spurlos verschwinden – wenn sie Glück haben. Denn angeblich tauchen ab und zu ganze Horden von Daemonen im Schatten der Wolke auf und verschlingen jede lebende Seele, die ihnen in die Klauen fällt…

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