Die Fragmente

Malmsturm – Die Fragmente: Die Firnburg – die Verheißung des Winters

Stimmen aus dem Norden

„…es gibt da keine nennenswerten Siedlungen und selbst die Pandharen meiden das Gebiet auf ihren Wanderungen! Aber fragt man die paar Einsiedler und halbverrückten Pelzjäger dort oben, so sprechen sie nur im Flüsterton von den Mörderwolken und der legendären Firnburg. Der alte Irdloff meinte zu mir sogar, dass dieser Ort nur eine gewaltige Falle sei: ein von hungrigen Geistern ausgesponnenes Spinnennetz, in dem allzu gierige Seelen ein grausames Ende finden würden! Aber woher sonst in der Gegend Jultar und Wraan im letzten Sommer diese unglaublichen Waffen bekommen haben sollen, das konnte er auch nicht erklären…“ 

Tharbor der Weitgereiste, belauscht in der Wolfsgrube in Nhastrand

 

 

Nhastrand ist bekannt für seine mächtige, als Garmwall bekannte Stadtmauer, in deren eisigen Wänden tausende gefrorener Leichen eingeschlossen liegen – aber fernab dieser nördlichsten aller großen Städte kennen nur wenige die Geschichten über das angebliche Vorbild für den Garmwall, das irgendwo auf dem halben Weg zur Hochebene von Khor, am äußersten Westrand der Arsali verborgen liegen soll. Verborgen deshalb, weil dort in einem flachen Tal tagein und tagaus undurchsichtige weiße Nebelschwaden aus dem Boden hervortreten, die jede Orientierung unmöglich machen. Vom Rand des Tals soll allerdings manchmal der dunkle Schatten eines einsamen Berges mit einer großen Festung an seiner Spitze inmitten des Nebels sichtbar werden – doch jeder, der daraufhin versuchte, den Berg zu erreichen, fand in den weißen Schwaden den Tod! Denn diese sind kein normaler Nebel und auch nicht die Dämpfe eines Feldes voller Geysire, sondern vielmehr Wolken aus demselben eiskalten Rauch, der sonst nur in den N’garenka, den Dampfenden Feldern der Mhanala Eiswüste erscheint! Aus rätselhaften Gründen scheint jedoch in diesem flachen Tal meist eine noch größere Kälte als in der Mhanala zu herrschen, so dass selbst gut geschützte Reisende in ihr umkommen müssen. Nur alle paar Sommer, so die Sage, weht ein kräftiger Wind von Süden her so lange über das Tal hinweg, dass er nicht nur die mörderische Kälte auf ein so eben noch erträgliches Maß mildert, sondern dabei auch immer mal wieder die Nebelschwaden aufwirbelt und zerreißt, woraufhin der Blick auf den Berg frei und eine gewisse Orientierung möglich wird. Die Legende erzählt, dass diejenigen, welche zu solchen Zeiten den Berg erreichten, dort einen monströsen Kegel aus Eis vorfanden, in dem ein ganzes Heer toter Krieger zu schwimmen schien wie Mücken im Bernstein. Noch furchtbarer aber war der Anblick, der sich denen bot, die es wagten, dem breiten Weg, der sich um den Berg hinaufwand und ihm Ähnlichkeit mit einem Schneckenpanzer verlieh, zu folgen: denn weiter oben, so die Sage, gab der gefrorene Gipfel den Blick frei auf zwei unmenschliche Riesenkrieger, hoch wie der Berg selbst, die das Eis anscheinend mitten im Zweikampf, in einer tödlichen Umklammerung gefangen, eingeschlossen hatte! Die Burg aber, die man aus der Ferne zu erblicken glaubte, entpuppte sich dort oben als die bizarre Krone eines der Krieger, die nun von klarem Eis ummantelt aus der kalten Gruft der Titanen herausragte. Die meisten Geschichten über diese sogenannte Firnburg enden hier, denn der spiralförmige Weg soll nicht ganz bis zur Spitze des Berges hinaufreichen, aber in einigen Legenden ist auch noch von einem schwarzen Gebilde die Rede, welches innerhalb der Krone zu liegen scheint, doch was genau dieses „Schwarze Haus“, wie es manchmal genannt wird, tatsächlich ist, wird wohl auch weiterhin ein Rätsel bleiben…

 

 

Schriften aus dem Norden

…die gesammelten Texte könnten auf diese Weise wohl erklären, was es mit den als solchen bezeichneten „Riesen“ des nordpolaren Kontinents auf sich hatte, aber dennoch bleiben viele Fragen offen. Dazu zählt zunächst einmal die Problematik der vielfältigen Berichte zu den Hohlen Häusern, den Blassen Pilgern, der Litanei der Kälte und der sogenannten Kathedrale des Hungers, welche in den oben aufgeführten Zusammenhängen immer wieder Erwähnung finden. Insgesamt vier – zwischenzeitig verstorbene – Augenzeugen erzählten uns dazu von saisonal auftauchenden Prozessionen inmitten völliger Wildnis, während der die lokalen Naturgeräusche ausblieben, und sich ein gewundenes Band schwarz vermummter Gestalten langsam durch die Ödnis zieht. In einem Fall sollen diese Figuren sogar eine gigantische Skulptur erklommen haben, um ein auf deren Haupt befindliches Hohles Haus zu erreichen…

Einer von sieben lesbaren Abschnitten des „Nebel Kodex“, einem in Blei und Kupfer gestochenen Buch, da am Ufer von Balta in einem verfallenen Schrein liegt. Angeblich stammt es aus den Anfängen des Bhaltarischen Reiches

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