Die Fragmente

Malmsturm – Die Fragmente: Die Abtei der Grünen Dame

„Ich sag´s Euch – da MUSS Gold sein. Haufenweise. Das geht doch gar nicht anders. Ich meine, die schaffen bei ihren komischen Volksfesten ja nicht nur Gemüse und Zeug nach drüben zur Insel, sondern immer auch Münzen. Hat Ulgerich mir erzählt, und der muss es wissen. Warum Ehndahl damals nichts gefunden haben soll? Keine Ahnung – aber die sollen da ja auch nur drei Stunden gesucht haben. Ich finde, die Sache lohnt sich. Und wer weiß, ob diese Äbtissin überhaupt noch lebt. Die muss inzwischen steinalt sein.“

Schatzsucher Nolvring Schlitznase in einem Gasthaus nahe Andinas.
Kurz bevor er starb, weil er in einer Pfütze ertrank.

Auf einer kleinen, felsigen Insel mitten im Tannhammersee erheben sich majestätisch die verfallenen Türme eines uralten Gebäudes, das dort schon seit den Zeiten vor der großen Häresie steht. Das Äußere ist burgähnlich-massiv, doch alle ansässigen Bauern und Fischer nennen die halbe Ruine nur „Die Abtei der Grünen Dame“, da die Fenster allesamt, so scheint es, vom dreiheiligen Stern der Kirche geziert werden. Interessanterweise geht aus keiner Kirchenchronik hervor, dass es auf der Insel je eine offiziell anerkannte Abtei gegeben hätte. So weit man weiß, betritt kaum jemand vom Festland das uralte Haus. Nichts desto trotz weiß man, dass das Gemäuer bewohnt ist. Zuweilen sieht man Lichter in den Fenstern und es ist allgemein bekannt, dass die „Abtei“ das Heim der „Grünen Dame“ ist. Eine um den See herum legendäre Gestalt. Durchreisenden wird gerne erzählt, es handele sich bei der „Grünen Dame“ um eine Heilige Frau, eine Klerikerin die als letzte ihres ehrwürdigen Ordens auf der Insel lebe und deren Weisheit weithin gerühmt sei. So weit, so gut. Was die Einheimischen allerdings nicht erzählen, ist das die Grüne Dame schon seit mindestens zweieinhalb Jahrhunderten in der „Abtei“ leben müsste, denn so lange gibt es die Geschichte schon. Ebenso wenig erzählen sie davon, dass das Licht in den Fenstern der Abtei oft von geisterhafter, grüber Farbe ist. Und noch weniger lassen sie Außenseiter wissen, dass ab und zu eine menschenleere Barke am Ufer anlegt, welche die Dörfler im Rahmen einer geheimen, feierlichen Zeremonie mit allerlei Geschenken in Form kleinerer Geschmeide beladen. Nicht, dass es sich bei besagten Geschenken um irgend etwas Dramatisches handeln würde. Eine festlich verzierte Ladung aus Weizenbroten, Blumenkränzen, allerlei Gemüsekörben und sonstigen Gaben ist es, was in den ersten, nebeligen Herbstnächten mutterseelenallein über den See schwimmt – wie ferngelenkt zur Insel hin. Man munkelt von regelrechten Schatzhaufen, die sich über die Zeit in der Abtei angesammelt haben müssten. Nur alle 20 Jahre fährt ein Dorfmädchen mit dem Boot hinüber zur Insel, um drei Jahre später wieder zurückzukommen. Leicht verändert, unversehrt und um einiges gebildeter in Dingen, die man offen nicht laut aussprechen sollte. Dafür haben die Fischer des Sees stets übervolle Netze und ein sehr, sehr friedliches Leben. Zumindest behaupten sie das. Das in Vollmondnächten zuweilen eine berückend schöne, junge Frau mitten auf dem See zu sehen ist, deren Körper aus silbrigem Wasser zu bestehen scheint, während die geschmeidigen, langen Haare aussehen, als bestünden sie aus Tang, gibt der Sache noch eine weitere unheimliche Note. Nur einmal, vor etwa 30 Jahren, versuchte ein Trupp Söldner unter der Führung des berüchtigten Ritters Sir Ehndahl Galgenhand die vermeindlich schlecht verteidigte Abtei zu plündern. Getuschelten Gerüchten zufolge fanden das Gemäuer nicht nur menschenleer, sondern sogar bar jeder Einrichtung vor und zogen zornschnaubend wieder ab. Nachts darauf ertranken Ehndahl und seine Offiziere. Fünf Verst von jedem Gewässer entfernt in ihren Zelten. In den Dörfern, die nicht direkt am See liegen, aber noch nah genug an ihm liegen, um mit den Fischern Handel zu treiben, hat man es sich unlängst abgewöhnt, das Thema „Grüne Dame“ anzuschneiden. Es ist nicht gut, den Seedörflern damit zu sehr auf die Nerven zu fallen. Manch ein gar zu Neugieriger soll schon verschwunden sein. Und man will ja die gute Nachbarschaft nicht gefährden.
Fühlte man sich bemüßigt, die Heilige Mutter Kirche über die seltsamen Vorgänge am See ins Bild zu setzen, etwa bei Episkop Hanno von Andinas denn zu seinen weltlichen Gütern zählen der See und die umliegenden Dörfer, so wird man feststellen, dass die Mühlen der kirchlichen Bürokratie in diesem Falle noch etwas langsamer mahlen als sonst und zu keinerlei Ergebnis führen – ganz gleich, welche Kunde über Hexerei und Geisterspuk man dem aufrechten Episkopen auch zu Gehör bringt. Man könnte fast auf die Idee kommen, der selbst Episkop hätte Anteil an den absonderlichen Absprachen, die die Fischer mit Wer-Weis-Schon-Wem getroffen hätten. So wundert sicherlich niemanden, dass (wie in der Öffentlichkeit niemand weiß) die Zaetoren sich des Falles angenommen haben. Und in der Tat scheint der zuständige Agent auf überaus brisante Dinge gestoßen zu sein! Unglücklicherweise ist es in seiner derzeitigen Lage am Hofe des Hanno fast unmöglich, über offizielle Kanäle Verstärkung anzufordern. Es steht zu befürchten, dass man ihn identifiziert hat und seine Botschaften auf die Heilige Insel abfängt. Daher sucht er verzweifelt nach anderweitiger Unterstützung….und wenn es nur eine verlauste Gruppe durchreisender Abenteurer sein sollte.

Aspekte:

  • Still ruht der See
  • Mystische Nebel
  • Unserer Guten Frau zur Ehr
  • Ich schlage Dir ein Geschäft vor, dass Du nicht ablehnen kannst

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