Die Fragmente

Malmsturm – Die Fragmente: Das Khash-Tarqis – Die Festjagd der Thraskiten

So unabhängig und verstreut die meisten Thraskiten auch leben, so finden sich doch seit vielen Jahrhunderten die Angehörigen dieses Volkes an jedem zweiten Mittsommervollmond zu einem großen Fest zusammen, das stets in einem anderen Tal irgendwo zwischen Nifelend und Valgrind veranstaltet wird. Die eigentliche Feierlichkeit findet dabei zwar während der drei Vollmondtage statt, aber insgesamt dauert das Khash-Tarqis doch volle fünf Tage, da jeweils ein Tag davor – am Dhuruut –und danach – am Bhaedruut – für An- und Abreise und den Auf- und Abbau des Festlagers vorgesehen ist. Wichtig ist dabei insbesondere der Dhuruut, da dieser Tag nicht nur dem Begrüßen, Kennenlernen und Austausch von Neuigkeiten gewidmet ist, sondern vor allem der Begutachtung der diesjährigen Teilnehmer am Kash-Tarqis dient – natürlich, um dann möglichst geschickte und spektakuläre Wetten über deren Abschneiden im Wettkampf abzuschließen! Die drei Tage des Khash-Tarqis sind hingegen von den unterschiedlichsten Tarqen – die thraskitische Bezeichnung für jede Art kriegerischen Wettkampfs – geprägt, wobei der erste Tag meist mit Gruppenkämpfen (Maeshtarqen) und der dritte Tag mit Zweikämpfen (Ul-Tarqen) ausgefüllt ist. Während in den Ul-Tarqen meist zwei Thraskiten ihre ganz persönlichen Meinungsverschiedenheiten ohne Waffen – und fast ohne Regeln – austragen, handelt es sich bei einem Meshtarq um eine wüste Keilerei zwischen bis zu sieben verschiedenen Gruppen, von jeweils bis zu sieben bewaffneten und gepanzerten Thraskiten, bei der grundsätzlich bis zum Sieg des letzten noch stehenden oder zumindest ansprechbaren Kriegers gefochten wird – wenn auch üblicherweise mit stumpfen Waffen. Nur etwa die Hälfte dieser Wettkämpfe finden allerdings zu Pferde statt, was nicht zuletzt daran liegt, dass es bei Strafe schwerer Bußleistungen verboten ist, das gegnerische Reittier dabei zu verletzen!

Stimmen des Nordens

„Niemand vermag ein gutes Gelage mehr zu schätzen als ich – aber was ich im letzten Sommer bei diesem sogenannten Fest der Thraskiten im Nifelend sehen musste: Wälder wüst durcheinander errichteter Zelte und Hütten, schlammige Pfuhle aus Bier und Körperflüssigkeiten, in denen sich Schlägereien und Liebeleien gleichermaßen abspielten, dazwischen Arenen mit regellos aufeinander einschlagenden Thraskiten darin und sie wild anfeuernden Thraskiten drum herum! Da werden Pferde und Waffen im Vollrausch getauscht, Ehegatten verwettet und auch schon mal ganze Gehöfte auf den Ausgang eines sogenannten Sängerwettstreits gesetzt – wobei die selten nüchternen Barden ebenso oft mit Äxten wie mit Liedern gegeneinander antreten! Chaos! Jede Kneipenschlägerei hier in meinem geliebten Nidbaerg ist mir da tausendmal lieber…“

Ilmordh der Jüngere, Gelehrter und Braumeister aus Nidbaerg

Das wirkliche Khash-Tarqis findet hingegen am 2. Tag, der Zeit des vollendeten Vollmonds statt. Dieser Wettstreit ist auch der Grund, aus dem alle anderen Wettkämpfe am Rande und auf den Anhöhen des ausgewählten Tales stattfinden müssen und auch alle Zelte, Bühnen und Pferdekoppeln nur auf den Hügeln rund um das Tal errichtet werden dürfen. Zunächst werden alle Teilnehmer mit ihren Pferden per Los auf zwei Mannschaften verteilt: Rot und Schwarz. Schwarz bildet zu Beginn einen Ring um Rot an einem Ende des Tals, wobei jedoch Rot bereits aufgesessen ist, während die Pferde der Kämpfer von Schwarz noch jeweils 23 Schritt hinter ihnen stehen müssen. Auf ein Hornsignal hin beginnt dann der Wettkampf: Rot hat nun die Aufgabe, mit wenigstens sieben berittenen Kriegern das andere Ende des Tals zu erreichen, während Schwarz dies mit allen Mitteln verhindern muss. Allerdings werden auch hier keine scharfen Waffen eingesetzt und es ist verboten, die Pferde des Gegners zu verletzen! Da jedoch die traditionellen stumpfen Waffen der Thraskiten, Ksistera und Molokka, immer noch gefährlich genug sind und gleichzeitig hunderte – wenn nicht sogar tausende – von Reiterkriegern an jedem Kash-Tarqis teilnehmen, kommt es dennoch immer wieder zu schweren Verletzungen und Todesfällen an diesem Festtag. An den Mittsommervollmonden ohne Kash-Tarqis finden in allen Siedlungsgebieten der Thraskiten allerdings auch kleinere, lokale Feiern statt, bei denen sehr viel mehr Wert auf die Sicherheit und das Überleben der Teilnehmer gelegt wird. Dies liegt darin begründet, dass bei diesen Gelegenheiten die verschiedenen Dörfer und Clans bestimmen, wer für sie am folgenden Kash-Tarqis teilnehmen soll.

Stimmen des Nordens

Hah! Diese sogenannten wahren Thraskiten wagen es, uns mit Verachtung zu begegnen! Dabei sind sie bloß die erbärmlichen Nachkommen treuloser und feiger Sklaven – kein Wunder, dass sie unsere Fleischmärkte verabscheuen! Bald, meine Söhne, wird unser Blut, das Blut von stolzen Kriegsherren und getreuen Waffenbrüdern, wieder rein in den Adern unseres wahren Volkes fließen – und dann werden all diese lächerlichen Bauern und Stallknechte wieder die ihnen angemessenen Ketten ihrer gemeinen Vorfahren tragen, derweil wir ein mächtiges Reich auferstehen lassen werden!“

Ulkard, Ältester des „abtrünnigen“ Ghellor-Clans

Die große Bedeutung dieser Festtage liegt jedoch nicht nur in den unzähligen Zechgelagen, Ehestiftungen, Wetten, Tauschgeschäften oder gar den verschiedenen Wettbewerben der Krieger. Vielmehr sehen die Thraskiten im Kash-Tarqis eine Art rituelle Neubegründung ihres gesamten Volkes, denn einer uralten Legende nach waren die ersten Thraskiten ursprünglich Mitglieder einer schrecklichen Armee berittener Krieger, die ihrerseits jedoch von den bösen halbdämonischen Herren dieser Armee wie bloße Sklaven gehalten und gezüchtet wurden! Irgendwann sollen sich dann sieben Brüder in sieben Schwestern verliebt haben, obwohl ihnen allen bereits andere Zuchtpartner zugedacht worden waren. Anstatt Gehorsam zu erweisen oder die angemessene Strafe auf sich zu nehmen, sammelten die sieben Paare eine verschworene Schar von Gleichgesinnten um sich und planten den Aufstand und die Flucht in die Freiheit. Es gelang den Verschwörern gemeinsam einer großen Strafexpedition gegen ein fernab lebendes Volk von Barbaren zugewiesen zu werden. Auf halbem Wege dann – tief in menschenleerer Wildnis – brach die Schar plötzlich aus einem Nachtlager aus, kämpfte sich einen Weg durch die übrigen Sklavenkrieger und ihre teuflischen, in Gold gehüllten Offiziere, und floh dann drei Tage und Nächte lang durch unbekanntes Land vor ihren gnadenlosen Verfolgern. Am Ende hatte die Schar ihre Häscher bis auf einen letzten Trupp abgehängt oder im Verlauf unzähliger kleiner Scharmützel getötet. Es kam zu einem endgültigen verzweifelten Handgemenge am Rand eines fruchtbaren Tals: völlig erschöpft, verwundet und durstig fielen die wenigen noch kampffähigen Mitglieder beider Seiten übereinander her. Endlich stand nur noch ein namenloser Krieger der Freiheitskämpfer aufrecht im blutigen Schlamm – und er erklärte alle Überlebenden für frei, jetzt und für immer: der Kampf sei beendet und vor ihnen läge die Heimat all ihrer Kinder und Kindeskinder! So wurden also auch die letzten der Verfolger Teil dieses neuen Volkes, das sich nie wieder seiner Freiheit würde berauben lassen – sei es durch Waffen oder Münzen aus Silber und Gold…

Aspekte:

  • Unbezahlbare Freiheit
  • Freiheit mit Eisernem Preis
  • Last Man Standing
  • Pferde bleiben unverletzt

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