Die Fragmente

Malmsturm – Die Fragmente: Das „Herdberg“ Unternehmen – Wettlauf ins Inferno

Schriften des Nordens

Haben Hindernisobjekt XXXVII auf zwei Ellen freigelegt. Material: „falscher“ Obsidian wie im unteren Schacht 9. Form: baumstammartig. Anmerkung: Vorarbeiter Draegerd beschreibt es als „verdammt fetten Finger“.

Letzte Meldung aus Abschnitt 11 „Rot“, unmittelbar vor Schachteinsturz

(aus einem Büro der Liga in Grimwerk gestohlen)

 

Die vielen hundert Schlote der „Feuerstadt“ Grimwerk bezeugen seit Jahrhunderten den monströsen Hunger der Erzhütten und Schmiedewerkstätten nach scheinbar unbegrenzten Mengen von Kohle, Holz und Brandeis – ein Hunger, der mit der wachsenden Präsenz der Liga in der Stadt nur noch größer geworden ist. In den letzten Jahren wurde es allerdings immer schwieriger – oder zumindest kostspieliger – Brandeis, also den besten und beliebtesten Brennstoff der Grimwerker Schmiede, im erforderlichen Umfang zu beschaffen. Dieser Umstand ist die Folge des Beinahe-Monopols, welches sich die Liga mit ihrer Flotte von Brandeisbaggerschiffen im Verlauf der Zeit aufgebaut hat. Zunächst nutzte dies der örtliche Prinz der Liga, um zum alleinigen Brennstofflieferanten diverser großer Manufakturen, Erzhütten und Schmiedewerkstätten zu werden, welche dann nach und nach ganz in den Besitz der Liga übergingen. Es braucht jedoch nicht lang, um eine Gegenbewegung unter den alten Schmiededynastien von Grimwerk entstehen zu lassen, die bis heute all ihren beträchtlichen Einfluss geltend macht, damit die Liga ihren Anteil an den Betrieben der Stadt nicht noch deutlich weiter ausbauen kann. Erst im vergangenen Sommer wurde aber bekannt, zu welch drastischen Maßnahmen die Widersacher der Liga bereit und fähig waren…

Stimmen des Nordens

„…doch, bis zum letzten Neumond hab ich auch noch gutes Gold im Herdbergunternehmen verdient. Aber, auch wenn uns keiner glaubt, wir haben da unten ganze Schächte abriegeln müssen, die völlig sicher waren – nur, weil sie an deren Ende auf Dinge gestoßen sind: uralte Höhlen mit was-weiß-ich für Zeug – tote Maschinen, Schädel so groß wie ein Mann, ein Sarkophag aus unzerstörbarem blutrotem Glas und angeblich sogar einen schneeweißen Turm, der mitten in einem bodenlosen Abgrund steht, aus dem das grillenhafte Zirpen unnatürlicher Stimmen erklingt… Ich will hier jedenfalls nur noch weg!“

Ygulf Yehannum, ehemaliger Steinhauer, im Hafen von Grimwerk

 

Einige der alten Sagen über die glorreichen Tage des Bhaltarischen Reiches erzählen von titanischen magischen Artefakten, mit deren Hilfe sich die Herrscher des Reiches ein unlöschbares Feuer aus den tiefsten Abgründe der Erde Untertan machten, auf dass es ihre Städte und Paläste wärmen und erleuchten möge. Offenbar war es nun einigen der alten Schmiedefamilien von Grimwerk gelungen, uralte Schriften zum Aufbau dieser wundersamen Maschinen über die Jahrtausende hinweg zu erhalten – und ihre Nachkommen waren fest entschlossen, damit ihre Werke und ihre Stadt für immer unabhängig von jedem denkbaren Brennstoff zu machen! Soweit bekannt, hatte zuvor schon beim ersten Tauwetter ein kleiner verschwiegener Trupp von Runengelehrten, Wachen, Schmiedemeistern und Minenarbeitern damit begonnen, an der Westflanke des Eldrimir die notwendigen Vorarbeiten zu leisten, um einen tiefen Schacht in das glutheiße Gestein unter dem gewaltigen Vulkankegel zu treiben. Nun brachte der Sommer eine ganze Flotte von Schiffen, die tausende von Arbeitern für das „Herdberg“ getaufte Unternehmen über das Nebelmeer nach Grimwerk trugen. Runenverstärktes Werkzeug und geheimnisvolle Bohrmaschinen, die sich wie von Geisterhand getrieben durch den Fels wühlten, schufen rasch ein wahres Labyrinth von immer tieferen Tunneln und Schächten, in denen ein schimmerndes Geflecht mächtiger Röhren aus einer unbekannten Legierung installiert wurde. Es gab zwar viele Gerüchte über furchtbare Unfälle und merkwürdige „Dinge“, denen die Arbeiter im rotglühenden Dunst unter dem Berg zum Opfer fielen, aber selbst den gesamten folgenden Winter hindurch machte das Unternehmen offenbar rasante Fortschritte. Doch das Frühjahr brachte mit dem Tauwetter diesmal eine weiter Überraschung: irgendwie war es der Liga gelungen, mitten im Winter ihr eigenes Grabungsunternehmen an der Nordflanke des Berges zu starten! Wie man hörte, war das Ziel beider Grabungen eine riesige Kammer, die irgendwo tief unter dem Eldrimir liegen musste und aus deren schier unerschöpflichen Vorräten das flüssige Erdfeuer des Vulkans gespeist wurde – nun ging es darum, welche der beiden Parteien diese Kammer zuerst finden und für sich erschließen sollte. Trotz des großen Vorsprungs ihrer Widersacher war die Liga in nur einem Winter bereits weit in den Berg vorgedrungen. Zuerst bediente sie sich dazu wohl einiger großer menschenähnlicher Maschinen, die sich mit der unermüdlichen Gewalt stählerner Dämonen durch das Gestein schlugen – und die angeblich vorher als geheime Fracht einiger Ligaschiffe nach Grimwerk gelangten. Jetzt aber treffen Monat für Monat neue Schiffe voller Sklaven aus aller Herren Länder ein, die allesamt dazu bestimmt sind, ihr Leben im Dienst der Liga und in den Eingeweiden des Berges zu beenden. Dieser Wettlauf der beiden großen Grabungsunternehmen hat sich ansonsten zwar als bemerkenswert förderlich für die gesamte Wirtschaft von Grimwerk erwiesen und nebenbei die Einwohnerzahl der Stadt um fast ein Fünftel erhöht, aber nichts – nicht einmal die Tunnel selbst – ist so sehr gewachsen wie das Verbrechen in Grimwerk. Straßengewalt war der auch als „Streitheim“ bekannten Stadt nie fremd, aber inzwischen wächst am Ufer des Gerdersees ein neuer Stadtteil heran, der fast ausschließlich Prostitution, Drogen und Glücksspiel gewidmet ist. Im Schatten des Eldrimir wimmelt es von Dieben, Mördern, flüchtigen Sklaven, Saboteuren und einigen wirklich gefährlichen Gestalten. Nicht wenige aber glauben, dass unter dem Berg noch weit größere Gefahren warten, und sie hoffen, dass auch im kommenden Winter und Sommer keine der beiden Grabungen ihr Ziel – oder schlimmeres – erreichen wird…

Mögliche Aspekte:

  • Die im Dunklen sieht man nicht
  • Brennender Ehrgeiz
  • In der Hitze der Nacht
  • Gewinnbringende Abgründe

 

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