Die Fragmente

Malmsturm – Die Fragmente: Bohraugen – Werkzeug oder Virus?

Alle Dwargen kennen von Kindheit an die Geschichten und Legenden über die sogenannten Bohraugen, rätselhafte Juwelen oder Edelsteine mit übernatürlichen Kräften, welche in den meisten Erzählungen nur von besonders tapferen, klugen oder sonstwie tugendhaften Helden genutzt werden können – und kaum ein erwachsener Dwarg glaubt an die tatsächliche Existenz solcher Schmucksteine. Dennoch sind Bohraugen, wenn auch sehr selten, doch mehr als Aberglaube und Hörensagen: Vielleicht einmal in hundert Jahren findet ein Dwarg in einem abgelegenen oder neu erschlossenen Stollen, einer soeben entdeckten Höhle oder einer lange verschütteten Siedlung einen dieser ungewöhnlichen Steine. Bohraugen haben stets in etwa die Größe von Hühnereiern, unterscheiden sich aber je nach Entwicklungsphase stark in ihrer Erscheinung. Unberührte, quasi jungfräuliche Bohraugen sehen beinahe aus wie eine Art simpler grauer Stein – nur eine Vielzahl kleiner kristalliner Einschlüsse, die bei Lichteinfall zunächst merkwürdig stumpf wirken, lassen auf einen Unterschied zu gewöhnlichem Gestein schließen. Wie groß dieser Unterschied ist, wird aber erst deutlich, wenn man den Stein über längere Zeit hellem Licht aussetzt: nach einigen Minuten schießt dann plötzlich eine Handvoll hauchdünner farbiger Lichtstrahlen aus dem Stein, nur um nach einigen Augenblicken wieder zu verschwinden – und bleibt der Stein im Licht, so wiederholt sich das Schauspiel bald in einem festen Rhythmus! Hat man einmal diese Eigenschaft eines Steins festgestellt, so besteht die Kunst darin, ihn fortan dauernd in dunkles Tuch gehüllt am Körper zu tragen. Dabei soll es helfen, sich immer vor dem Einschlafen fest auf die Vorstellung der Lichtstrahlen zu konzentrieren. Einige behaupten auch, man solle sich auf eine Farbe konzentrieren, oder sich die Strahlen als Bündel vorstellen, aber zu diesem Thema gibt es unzählige Ansichten. Jedenfalls brauchen die meisten Bohraugen ein gutes Jahr bis sie „reif“ sind. Dann ist ihre Gestalt länglicher und kantiger geworden, etwa in der Form von Quarzkristallen, Basaltsäulen oder ähnlichen Strukturen. Besonders hochqualitative Steine bilden sogar eine Art von metallisch wirkender Fassung oder Griff aus, während diese bei anderen extra gefertigt und angepasst werden müssen. Ist dies geschehen, so kann das Bohrauge in der Hand gehalten, als Schmuckstück getragen oder – nach der Tradition der Dwargen – direkt in Haut und Knochen verankert werden. Dann kann die Person, welche den Stein „geprägt“ hat, seine eigentliche Kraft nutzen: durch reine Willenskraft wird das Bohrauge bewegt, einen einzigen konzentrierten Lichtstrahl auszusenden – ein Strahl, so fein, dass er oft nur bei Staub und Nebel in der Luft sichtbar ist! Diese Strahlen verfügen zwar nur über wenig Leuchtkraft, vermögen aber dennoch Haut und Haare zu verbrennen. Die wirklich wertvollen Bohraugen senden gar Strahlen aus, die sich viele Klafter tief in härtesten Granit schneiden oder stählerne Schilde und Panzer durchdringen können! Natürlich sind solch machtvolle Werkzeuge und Waffen sehr begehrt, besonders, da sie anscheinend keine arkanen Kräfte nutzen, doch nur derjenige, der ein Bohrauge geprägt hat, vermag es auch zu nutzen. Wie stark die Strahlen sind und wie oft ein Stein sie abgeben kann, ist individuell ganz unterschiedlich, aber alle Bohraugen müssen regelmäßig wieder in Licht oder Feuer regeneriert werden, wobei die mächtigsten Steine sogar tagelang in Lava gebadet werden müssen, um ihre volle Kraft zu entfalten! Leider kommt all diese Macht nicht ohne Preis: die Träger von Bohraugen verspüren immer einen mehr oder weniger starken Drang, diese auch zu jeder Gelegenheit einzusetzen. Starke Bohraugen sollen sogar als lautlose Stimmen in den Träumen und Gedanken ihrer Träger auftauchen und sie zu Wanderungen in immer tiefere Höhlen und Schächte verleiten, so dass viele dieser Bohraugen zusammen mit ihren Trägern bereits nach wenigen Jahren wieder in unbekannten Tiefen verloren gehen. Einige Träger jedoch meistern selbst diese Steine und schaffen es sogar in manchen Fällen, sie an ihre direkten Nachfahren weiterzureichen. Solche Bohraugen werden stets in Handrücken oder Stirn eingesetzt und wirken tatsächlich als „Augen“, denn ihre Träger können plötzlich neue Farben wahrnehmen oder berichten davon, dass sie Dinge wie Hitze und Kälte „sehen“ könnten! Ähnlich mächtig, aber weit gefährlicher, sind die seltenen Bohraugen, welche wahrhaft mit dem Körper ihres Trägers verschmelzen: diese Träger entwickeln ein für Dwargen meist fatales Verlangen, an die Oberfläche und in die Tagwelt zu gelangen, wo – falls sie denn Sonnenlicht und die fremde Natur überleben – ihnen bald neue Bohraugen wie bizarre Warzen wachsen und ihnen ein unheiliges Sehen nach der Welt der Wolken, des Himmels und schließlich sogar der Monde verleiht…

Mögliche Aspekte:

  • Vaters drittes Auge!
  • Die Spur der Steine
  • Der Ruf der Tiefe
  • Das Herz des Vulkans
  • Mondsüchtig!
  • Was für eine kranke Waffe
  • Das ist kein Auge, das ist ein Tumor

 

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