Die Welt

Das Geheimnis der verlorenen Jahrhunderte Oder: Wie man Fehler auch ausbügeln kann

Das einschneidende Ereignis, das die Welt von Malmsturm so sehr geprägt hat, dass die Menschen ihre Zeitrechnung danach ausgerichtet haben, wird als »Beginn des Schweigens«, »Ascelions Rettung« oder »Ritual von Tartos« bezeichnet. 2566 Jahre ist es jetzt her. Zumindest in der Waismark und dem Imperium. Im Norden ist es 2366 Jahre her. Das ist unserem Florian beim Glattbügeln der Weltenbandtexte für die zweite Edition aufgefallen. Und natürlich handelt es sich um einen ganz klassischen Fehler. Wir dachten uns »Oh, what a Scheiß!« und gingen daran, das Ganze wieder gerade zu biegen. Immerhin war nur eine einzige Zahl falsch. Kein Aufwand. Also: rauskorrigieren, Hände in die Taschen stecken und pfeifen. Dann allerdings erwischte uns eiskalt das Kopfkino. Was, wenn wir gar keinen Fehler produziert hätten? Was, wenn dem Norden aus unerfindlichen Gründen tatsächlich zwei Jahrhunderte fehlen würden? Was, wenn die im Weltenband beschriebene »Zeit der Dunkelheit« nicht 11, sondern 211 Jahre gedauert hätte und die Völker des Nordens dies vergessen hätten? Was, wenn das Ritual von Tartos im Norden eine Zeitverzerrung erzeugt hätte? Oder was, wenn vor über zweitausend Jahren für zwei Jahrhunderte etwas geschehen wäre, was eine Geheimverschwörung von Runengelehrten aus den Geschichtsbüchern getilgt hat, koste es, was es wolle? Und da wir durch »Tentakelfinger« ja schon Übung darin hatten, aus unseren Tippfehlern coole Szenarien zu entwickeln, entschieden wir, dass dem Norden tatsächlich zwei Jahrhunderte fehlen …


Schriften des Nordens

… also wird die wesentliche Kritik der Wahl meiner Quellen gelten, da ich alle genannten Angaben ja aus den Abschriften interner Schriftstücke der Liga oder aus meinen Befragungen von Reisenden aus den Grenzgebieten des sogenannten Imperiums bezogen habe. Sollte jedoch kein Fehler in meinen hier vorgelegten Vergleichsrechnungen nachzuweisen sein, so ermutige ich den Leser, die präsentierten Belege wenigstens vorläufig zu akzeptieren und so meinem Argumentationsgang bis zu seinem – wie ich denke – logisch zwingenden Schluss zu folgen: dass nämlich bereits in der Frühzeit der Fünf Städte den Stadtschreibern, Geschichtenerzählern und Gelehrten ein gemeinsamer grundlegender Fehler unterlief, der zu einem um genau zwei Jahrhunderte zu früh datierten Beginn der Neubesiedlung von Nhastrand oder des Baus des Garmwalls führte! Nur so ließe sich die Mehrzahl unserer anerkannten Aufzeichnungen seit der Zeit der Dunkelheit nahtlos in Einklang mit den imperialen Schriften bringen – auch wenn dies natürlich sofort die drängende Frage aufwirft, was in diesen zwei vergessenen Jahrhunderten denn nun geschehen sein mag und ob es nicht sogar gute Gründe für deren Vergessen gab …

Gilli Trebireh der Jüngere in Bemerkungen zu Problemen der Chronographie (Ursprung und Geschichte der großen Städte – Anhänge und Ergänzungen, Band 2)


 

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